Umfahrung Lungern

Projektbeschrieb

Linienführung

Die Umfahrung Lungern ist rund 4.25 km lang. Die neue Strasse zweigt oberhalb des Dorfes von der bestehenden Brünigstrasse ab und umfährt dieses hangparallel in einem Bogen unter der rechten Talflanke. Es handelt sich um eine zweispurige, nur für Motorfahrzeuge zugelassene Nationalstrasse 2. Klasse. Hauptbauwerk ist der 3’570 m lange, im Gegenverkehr befahrene Tunnel Lungern. Die Steigung beträgt 2.2%. Bei den beiden kreuzungsfreien Halbanschlüssen Lungern Süd und Lungern Nord wird die Umfahrungsstrasse auf die bestehende Brünigstrasse geführt. Die Anschlüsse sind so konzipiert, dass sowohl ein späterer Zusammenschluss der Ortsumfahrungen Giswil und Lungern zu einer durchgehenden Neuanlage als auch die Verbindung an die A8 im Haslital mit einem ca. 3.5 km langen Brünig-Scheiteltunnel möglich ist.

Geologie

Der Umfahrungstunnel durch örtert zu mehr als der Hälfte Kalkformationen (Quintner Kalk, Kieselkalk usw.), im Weiteren mergelige Gesteinsserien (Vitznau- und Palfrismergel, Schiltformation, Erzeggserie usw.) und eine rund 100 m lange Lockergesteinsstrecke im Bereich Hinti. In den Kalkformationen können grössere Wasserzutritte nicht ausgeschlossen werden; die Mergel neigen zum Quellen und gelten als Gasmuttergesteine.

Erkundungsstollen

Die geologischen Unsicherheiten wurden mit einem Erkundungsstollen vorgängig geklärt. Eine Tunnelbohrmaschine mit einem Durchmesser von 4.75 m hat diesen Stollen zwischen 2001 und 2003 von Norden nach Süden aufgefahren. Die Wasser- und Erdgasvorkommen waren geringer als prognostiziert. Hingegen traten zwischen Stollenmeter 900 und 1300 geologische Probleme auf. Nachbrechender und drückender Fels behinderte den mechani-schen Vortrieb massiv. Auf Grund dieser Erkenntnisse musste die Linienführung des Haupttunnels optimiert und weiter bergwärts verlegt werden.

Materialbewirtschaftung

Aus dem Haupttunnel fallen rund 600’000 m³ Ausbruchmaterial an. Davon werden ca. 500’000 m³ im Hinti, einer langgezogenen Mulde hinter der Kirche von Lungern deponiert. Der Rest kann für Hinterfüllungen und als aufbereitetes Koffermaterial wieder verwendet werden. Das Ausbruchmaterial des Erkundungs- und Sicherheitsstollens wurde auf die beiden Ablagerungsstellen Kaiserstuhl und Mutzenloch transportiert, rund 150’000 m3.

Ökologische Ersatzmassnahmen

Im Bereich der Tunnelportale und der Ablagerungsstellen für Tunnelausbruchmaterial sind Eingriffe in ein Landschaftsbild und grössere Rodungen unvermeidbar. Von den rund 50’000 m² Rodungen können über 90 % vor Ort wieder aufgeforstet werden. Im Weiteren sind ökologische Ersatzmassnahmen u.a. durch Aufforstungen im Bereich des Güpfi (oberhalb Nordportal) und durch Schaffung eines Wildtierkorridors im Hanenried (südwestlich des Sarnersee) vorgesehen.

Tunnel-Sicherheitseinrichtungen

Ein wesentliches Element zur Gewährleistung einer möglichst optimalen Tunnelsicherheit ist der nachträglich ins Projekt aufgenommene Sicherheitsstollen. Dieser liegt bergseits der Hauptröhre in einem Abstand von ca. 20 m. Alle 250 bis 300 m sind Querverbindungen angeordnet. Der Sicherheitsstollen dient in 1. Priorität der Selbstrettung der Tunnelbenützer im Ereignisfall. Im weiteren sind im Haupttunnel vier doppelseitige Ausstellbuchten und alle 150 m SOS- und Hydrantennischen vorgesehen. Die Tunnellüftung funktioniert als Längslüftung mit Mittenabsaugung. Im Brandfall werden die Rauchgase über Klappen, die alle 100 m in der Zwischendecke angeordnet sind, abgesaugt. Die Lüftungszentralen und die Betriebsgebäude befinden sich beim Nord- und Südportal. Weitere Be-triebs- und Sicherheitsausrüstungen sind Tunnelbeleuchtung (Durchgangs- und Adaplationsbeleuchtung), die Einrichtungen für Verkehrslenkung, die Signalisation, zweckmässige Kommunikationseinrichtungen sowie die gebräuchlichen Sicherheits-, Mess- und Überwachungsanlagen vorgesehen. Als wichtigstes Hilfsmittel für den autonomen Betrieb dient die vollständige Videoüberwachung der Tunnelröhre und der Portalbereiche. Alle Daten und Meldungen über besondere Ereignisse werden über die Betriebsleitebene BLE der A8 nach Sarnen (Polizeistützpunkt und Werkhof) weitergeleitet.

Energieeffizienter Tunnel

Lungern ist schweizweit der erste Tunnel, der durchgehend mit LED Lampen ausgerüstet ist, total 600 Stück. Diese neue Technik ermöglicht Einsparungen beim Stromverbrauch von über 50 % gegenüber der herkömmlichen Beleuchtung. Weitere Vorteil der Lampe sind die gleichmässige Lichtverteilung (Verkehrssicherheit), die Lebensdauer und die gute Dimmbarkeit.

Kosten

Die Kosten des Gesamtprojektes sind auf der Preisbasis von 2005 auf 265 Mio. Franken veranschlagt. Darin enthalten sind auch die Aufwendungen für den Sicherheitsstollen, der rund 22 Mio. kostet. Die voraussichtliche Abrechnung (Stand 2013) ergibt ein Kostenunterschreitung von ca. 4 %, d.h. ca. 10 Mio. Franken.

Bauzeit

Vom Herbst 1999 bis Herbst 2003 sind bereits die Voreinschnitte beim Süd- und Nordportal, der 3.5 km lange Erkundungsstollen und der nördliche Abschnitt des Sicherheitsstollens gebaut worden. Für den südlichen Abschnitt des Sicherheitsstollen kann der Erkundungsstollen „umfunktioniert“ werden. Für den Haupttunnel wird mit einer Bauzeit von sechs Jahren gerechnet (2006 – 2012). Beim Anschluss Lungern Nord sind 2005 und 2006 umfangreiche Vorbereitungsarbeiten durchgeführt worden. Die Eröffnung erfolgte am 10. Dezember 2012.