Lungern Nord – Giswil Süd mit Tunnel Kaiserstuhl

Projektbeschrieb

(Stand April 2018)

Ausgangslage

Der geplante Strassenabschnitt A8 Lungern Nord – Giswil Süd ist ein Projekt der Fertigstellung des Nationalstrassen-Netzes gemäss dem Bundesgesetz über die Nationalstrassen (Netzvollendung). In der kantonalen Richtplanung 2006 bis 2020 ist zudem festgehalten, dass sich der Kanton beim Bund für den möglichst raschen Ausbau und die Fertigstellung dieses Streckenabschnittes einsetzt.

Mit dem Zusammenschluss der Netzlücke sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Ersatz der engen, steilen und teilweise gefährlichen Brünigstrasse in den Bereichen Buechholz/Landhaus/Kaiserstuhl durch einen sicheren Strassenstandard (niveaufreies Kreuzen, Separierung Langsamverkehr);
  • Durchgehende, verständliche Strassensystematik durch Schliessung der knapp 4 km langen Netzlücke der Umfahrung Lungern (Eröffnung 2012) und der Umfahrung Giswil (Eröffnung 2004);
  • Erhöhter Schutz gegenüber Naturgefahren (durch neuen Kaiserstuhltunnel und durch zusätzliche Schutzmassnahmen gegenüber  Naturgefahren auf der offenen Strecke) und dadurch verbesserte Anlageverfügbarkeit auf dem Abschnitt Lungern-Giswil;
  • Verbesserung Redundanz des Nationalstrassennetzes.

 

Projektrückblick:

  • Juni 2009: Start Zweckmässigkeitsstudie mit dem dazugehörigen Variantenstudium
  • Mai 2011: Genehmigung Bestvariante und Beauftragung Generelles Projekt
  • Juni 2012: Genehmigung Generelles Projekt durch den Regierungsrat des Kantons Obwalden mit der Forderung einer Kostenüberprüfung und Kostenoptimierung
  • Juni 2013: Genehmigung Generelles Projekt durch den Bundesrat und Freigabe Ausführungsplanung (Bauprojekt)
  • Oktober 2013: Marschhalt durch Regierungsrat mit der Sistierung der Planungsarbeiten
  • September 2014: Aufhebung Marschhalt infolge einer parlamentarischen dringlichen Motion mit anschliessender Kantonsratsabstimmung
  • Januar 2015: Start zwischengeschaltete Planungsphase Projektoptimierung
  • November 2015: Abschluss Phase Projektoptimierung
  • Dezember 2015: Start Ausführungsprojekt (Bauprojekt, Bewilligungsverfahren, Auflageprojekt)
  • August 2016: Entwurf Dossier Ausführungsprojekt
  • September/Oktober 2016: Ämterkonsultation
  • anschliessend Bereinigung und Abschluss Ausführungsprojekt
  • Dezember 2016: Regierungsratsbeschluss mit zustimmender Kenntnisnahme des Ausführungsprojekts
  • 1. Quartal 2017: Prüfung des Ausführungsprojekts durch ASTRA. Freigabe des ASTRA, das bereinigte Projekt mit Datum 28.02.2017 dem UVEK zur Plangenehmigung einzureichen
  • Mai 2017: Eingabe des vollständigen Ausführungsprojekts an das Generalsekretariat UVEK
  • 12. Juni – 12. Juli 2017: Öffentliche Planauflage im Auftrag des UVEK
  • August 2017 – Februar 2018: Bearbeitung der fünf eingereichten Einsprachen, Vernehmlassung bei den Bundesämtern

 

Projektausblick:

  • 2. Quartal 2018: Erwartete Plangenehmigungsverfügung UVEK
  • 3. Quartal 2018: Start Detailprojektierung (alle Detailprojekte müssen vom ASTRA genehmigt werden)

Es wird aktuell davon ausgegangen, dass die Hauptarbeiten in den Jahren 2022 bis 2028 ausgeführt werden. Der Bau der vorgängigen Vorbereitungsarbeiten mit dem Erkundungsstollen ist ab Ende 2019 bis 2021 geplant.

 

 Verkehr

Eine Verkehrsanalyse von Basler+Partner AG vom Mai 2014 zeigt, dass der massgebende Teil des Verkehrs im Kanton Obwalden Quell- und Zielverkehr ist. Grossräumiger Durchgangsverkehr durch den Kanton Obwalden spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der Ausbau des Abschnittes Lungern Nord-Giswil Süd wird gemäss dieser Studie keine Verkehrszunahme des Durchgangsverkehrs zur Folge haben, da der Reisezeitgewinn mit rund einer Minute dafür zu klein ist. Die Brünigachse als Ausweichroute für die A1/A2 wird auch nach dem Lückenschluss Lungern-Giswil unbedeutend bleiben.

 

2014-05-20-verkehrsanalyse-n8

 

Durchgangs-, Quell- und Zielverkehr im Kanton Obwalden gemäss Nationales Personenverkehrsmodell (NPVM, Jahr 2014)

 

Verkehrsaufkommen 2015 und 2028 
Alle Zahlen des DTV (Durchschnittlicher täglicher Verkehr) sind in Fahrzeugen pro Tag angegeben:

Gemessene Verkehrszahlen 2015 (Querschnitt Kaiserstuhl):

  • Jahresdurchschnitt DTV 9’200 Fz/Tag davon 4.5% LKW-Anteil
  • Max. Monat (August) DTV 13’000 Fz/Tag (Spitzentag 19’000 Fz/Tag)
  • Min. Monat (Dezember) DTV 7’100 Fz/Tag

Prognostizierte Verkehrszahlen 2028 (Querschnitt Kaiserstuhl):

  • Jahresdurchschnitt DTV ca. 10’400 Fz/Tag davon rund 5% LKW-Anteil
  • Max. Monat (August) DTV ca. 15’200 Fz/Tag (Spitzentag ca. 18’900 Fz/Tag)
  • Min. Monat (Dezember) DTV ca. 7’500 Fz/Tag

Verkehrsunfälle

Unfallstatistik: Das Unfallgeschehen auf dem knapp 4 km langen Abschnitt insbesondere zwischen dem Landhaus und dem Dorfteil Kaiserstuhl ist sehr hoch. Die Unfallstatistik der Jahre 2007 bis 2015 zeigt folgendes Bild:

  • polizeilich registrierte Unfälle: 110
  • verletzte Personen: 64
  • getötete Personen: 4

Studie und Generelles Projekt (2009 -2013)

Im Rahmen einer Studie mit Zweckmässigkeitsbeurteilung wurde zwischen 2009 und 2011 ein umfassendes Variantenstudium durchgeführt. Zusammen mit den Fachplanern, den betroffenen kantonalen Ämtern, den beiden Standortgemeinden und dem Bundesamt für Strassen wurden machbare Lösungen gesucht. Es galt, eine landschafts-verträgliche Linienführung zu finden zur Bewältigung der Geländestufe von rund 170 Höhenmetern auf dem kurzen Abschnitt zwischen dem Tunnel Giswil und dem Lungernsee. Es standen schlussendlich drei Varianten im Vordergrund, die mit dem NISTRA-Verfahren (Nachhaltigkeitsindikatoren für Strasseninfrastrukturprojekte) bewertet und mit der Nulllösung (heutige Situation) verglichen wurden.

Als Bestvariante resultierte die Lösung mit folgenden Eckwerten:

  • 2.5 km langer Kaiserstuhltunnel mit parallelem Sicherheitsstollen;
  • 1 km lange offene Strecke entlang des Lungernsees im Süden mit einem Halbanschluss Lungern Nord;
  • 300 m lange offene Strecke im Norden bis zur bestehenden Buechholzbrücke mit einem 3/4 Anschluss Giswil Süd.

Die Brünigstrasse bleibt als Kantonsstrasse bestehen und dient weiterhin dem Lokal- sowie dem Landwirtschafts- und Langsamverkehr. Der Regierungsrat und das Bundesamt für Strassen haben die Bestvariante im Jahre 2011 genehmigt.

Im Anschluss wurde die Bestvariante zu einem Generellen Projekt (Vorprojekt) ausgearbeitet. Die Investitionskosten wurden mit einer Genauigkeit von ± 20% auf 295 Mio. Franken geschätzt. Die durchgeführte Umweltverträglichkeits-prüfung zeigte insgesamt geringe Zusatzauswirkungen auf die Umwelt. Durch verschiedene Schutzmassnahmen während dem Bau und durch die Planung und Umsetzung diverser ökologischer Ersatzmassnahmen sollen die punktuellen Zusatzauswirkungen auf Landschaft und Umwelt nachhaltig kompensiert werden.

Im Frühling 2012 erfolgte eine kantonale Ämtervernehmlassung und im Sommer 2012 wurde das Projektdossier dem Regierungsrat eingereicht, der das Projekt genehmigte und anschliessend in die Bundesvernehmlassung schickte. Der Bundesrat als Genehmigungsbehörde bewilligte das Generelle Projekt und den Umweltverträglichkeitsbericht 2. Stufe im Juni 2013.

Marschhalt und Projektoptimierung (2013-2015)

Der Regierungsrat des Kantons Obwalden sistierte im Oktober 2013 die weiteren Planungsarbeiten und verordnete einen Marschhalt von 5 Jahren. Gründe für diesen Marschhalt seitens Regierungsrat waren hauptsächlich die Kosten und die Befürchtung, der Lückenschluss Lungern Nord-Giswil Süd könnte zu Mehrverkehr auf der Brünigachse führen. Eine im Kantonsrat eingereichte dringliche Motion im August 2014 mit anschliessender Abstimmung im Kantonsrat führte schliesslich im September 2014 zur Aufhebung des Marschhaltes und zur Beauftragung der weiteren Planungsarbeiten durch den Regierungsrat.

Im Zuge der Planungsphase Projektoptimierung prüfte die Bauherrschaft und das Planerteam verschiedene Ideen. Die wichtigsten Optimierungen sind:

  • Erhöhung Tunnelsteigung von 5% auf 6.5% und einem um rund 400 m kürzeren Tunnel, Sicherheitsnachweis durch Risikoanalyse;
  • Verzicht auf eine Lüftungszentrale Süd, Sicherheitsnachweis durch Risikoanalyse;
  • Ersatz bestehende Einfahrt Giswil Süd Richtung Bern durch neue Einfahrt vor dem Kaiserstuhltunnel, dadurch Entflechtung Ein- und Ausfahrtsverkehr auf der Buechholzbrücke;
  • Talseitige Verschiebung Kantonsstrassenführung im Gebiet Buechholz/Griffeldossen;
  • Verzicht auf neue Ausfahrt Giswil Süd und Nutzung der bestehenden Ausfahrt ab Buechholzbrücke.

Die Massnahmen führen zu Kosteneinsparungen von rund 10% oder 30 Mio. Franken. Die Projektsteuerungsgruppe genehmigte die Projektoptimierungen im Oktober 2015.

Wie die übrigen Gegenverkehrstunnels auf der A8 erhält auch der Tunnel Kaiserstuhl einen parallelen Sicherheitsstollen. Wegen des Gefälles von 6.5% ist der Haupttunnel alle rund 200 m mit dem Sicherheitsstollen mittels Fluchtstollen verbunden ist. Es ist vorgesehen zuerst den Erkundungsstollen auszuführen, der wichtige geologische Erkenntnisse für den Haupttunnel liefern soll. Dieser Stollen soll dann im Zuge der Hauptarbeiten zum Sicherheitsstollen ausgebaut werden.

Ausführungsprojekt und Plangenehmigungsverfahren (2016-2018)

Das Ausführungsprojekt (SIA: Bauprojekt / Bewilligungsverfahren / Auflageprojekt) startete im Dezember 2015. Im September/Oktober 2016 erfolgte die Ämterkonsultation, anschliessend wurde das Ausführungsprojekt mit Umweltverträglichkeitsbericht 3. Stufe dem Regierungsrat unterbreitet. Dieser nahm das Projekt zustimmend zur Kenntnis und beauftragt das BRD, das Projekt dem ASTRA zur Prüfung und anschliessend dem eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK zur Plangenehmigung einzureichen.

Das Plangenehmigungsverfahren beinhaltet die Planauflage, die Behandlung der Einsprachen, die Vernehmlassung bei den Bundesämtern und schlussendlich den Entscheid des UVEK (Plangenehmigung und Baubewilligung). Dieser Entscheid wird im 2. Quartal 2018 erwartet.